LEBENSBILDER 15

notiert Oktober 2024

SOMMERFREUDEN

 

In der Erinnerung sind die Sommer heiss und lang. Viel Zeit zum Baden und Schwimmern blieb nicht. Kinder mussten zu Hause helfen, im Garten gab es zu tun, jäten, ernten, einmachen. Und in den Bauernfamilien war man im Heuet.

«Wir durften nicht machen was wir wollten, es gab so viel Arbeit im Haus, im Garten und auf dem Feld, aber mich störte das nicht. Es war einfach so.»

«Sobald wir ein bisschen Zeit hatten, packten wir den Rucksack und gingen wandern. Am liebsten jedes Wochenende. Das war wunderschön!»

BARFUSS

«Das war eine Freude, endlich wegzukommen von den schrecklichen gestrickten und kratzigen Strümpfen mit Gstälti, dann von den gestrickten Kniesocken und den kurzen Söckli und barfuss zu gehen!»

«Bis zur Sekundarschule ging ich im Alltag immer barfuss. Ich hatte zwar Schuhe, aber die mussten geschont werden. Das Besohlen war teuer. Auf heissem Teer ohne Schuhe zu gehen, hatte ich nicht gern, das brannte an den Füssen.»

«Zu Hause gingen wir barfuss. Für die Schule mussten wir Schuhe anziehen.»

«Bekam die Teerstrasse Löcher, leerte man ein wenig Teer hinein und füllte das Loch mit Kies. Der stach dann besonders spitz in die Füsse.»

«Auf den abgeernteten Feldern pieksten die Halme in die Fusssohlen. Wir schoben die Füsse beim Gehen nach vorn und ‘schlittelten’ über die Halme, dann spürten wir sie weniger oder wir gingen in der Fuhre des Traktors.»

«Unsere Füsse waren abgehärtet durch das viele Barfussgehen.»

«Am Abend wuschen wir die Füsse im Brunnentrog.»

 

RÖCKLI UND JUPES

«Ein schönes leichtes Sommerröckli gab ein gutes Gefühl. Die Stoffe waren meist bedruckt, mit Blumen oder Früchten.»

«Oft hatten sie Rüschen an den Ärmeln oder weite Kimonoärmel.»

«Mein Mueti liess bei einer Schneiderin für sich und für mich das gleiche Röckli nähen. Das war schön.»

«Es war ein besonderes Gefühl, in einem weiten Jupe mit einem engen breiten Gürtel in der Taille spazieren zu gehen. Der Jupe schwang bei jedem Schritt hin und her. Ich konnte ihn an den Seiten hochheben bis zur Taille, in der Mitte war er immer noch an den Knien – so weit war er. Dazu gehörten Sandalen mit einem kleinen Absatz. Später trug ich dann hohe Absätze und spitze Schuhe.»

«Unter diesen Jupes trugen wir einen gestärkten Unterrock. Wir gaben Stärkepulver ins Wasser, legten den Unterrock hinein, wrangen ihn nachher aus und liessen ihn trocknen oder fast trocknen. Beim Bügeln wurde der Stoff steif und es roch ganz besonders. Der weite Jupe darüber war aus dünnem Stoff und schwang dank dieses steifen Unterrocks ganz besonders schön.»

«Manchmal pfiffen Männer hinterher. Das störte mich nicht. Ich nahm es als Kompliment und fühlte mich gut.»

«Die meisten jungen Frauen damals waren schlank, darum passten auch diese Jupes so gut. Man ass viel weniger Süsses und Fettiges, Fertigmahlzeiten gab es nicht, Süssgetränke auch kaum, das Essen kam hauptsächlich aus dem Garten oder vom Markt.»

«Zum Glück hatten die Velos Velonetzli, sonst hätte man mit diesen weiten Jupes nicht gut fahren können.» 

ESSEN UND TRINKEN IM SOMMER

«Wir assen, was der Garten hergab. Viel Salat, Gurken, Tomaten, Bohnen, fast immer Kartoffeln.»

«Es gab Birchermüesli, Kompott, Früchtekuchen.»     

«Kartoffelsalat, manchmal mit einem Cervelat.»

«Beeren assen wir oft.»

«Beim Grossmueti bekamen wir ein Schüsseli mit Hafernüssli, Beeren, Zucker und Milch. Mmmm!»

«Weil ich einen weiten Weg hatte in den Kindergarten, durfte ich dort bei den Schwestern zu Mittag essen. Zum Trinken schenkten sie mir Limonade ein. Prickelndes zitroniges und süsses Wasser. Das war neu für mich und ich liebte es.»

«Gabs eine Salatschwemme im Garten, assen wir warmen Salat. Der Salat kam in eine Schüssel, darüber leerte man eine heisse braune Sauce aus Speckwürfeli, Zwiebeln, Mehl, Maggiwürfel und Wasser. Dazu ass man Gschwellti. Das war fein!»

«Eine schöne Sommererinnerung sind die frischen Härdöpfel aus dem Garten.»

«Meine erste Glace bekam ich auf einer Schulreise. Sie war silbern eingepackt und hatte ein hölzernes Stängeli.»

«Ich erinnere mich an Eisrölleli. Das waren runde Eisstängel in weissem Papier (so wie Käsepapier), mit einem Holzstängeli zum Halten. Sie kosteten weniger als Glacen.»

«Daheim hatte man keine Glacen, es gab ja auch keine Tiefkühler. Und Glace war zu teuer und unnötig.»

«Später konnte man zum Beispiel vor der Epa in der Marktgasse Softice kaufen. Eine ganz cremige weiche Glace, die aus einem Automaten direkt in dein Cornet gefüllt wurde. Vanille oder Himbeer. Oder beides gemischt. Man musste sie schnell essen, weil sie sofort zu schmelzen begann.»

SPIELEN

«An den langen Sommerabenden in den Ferien spielten wir mit den Nachbarskindern Ballspiele, Verstecken um die Häuserblöcke oder Fangis. Das war schön.»

IN FELD UND GARTEN UND KÜCHE

«Im Sommer mussten wir Kartoffelkäfer von den Kartoffelstauden ablesen.»
«Wir zogen mit der Schulkasse los auf die Kartoffelfelder und lasen die Käfer ab.»

«Wir haben auf dem Feld aus dem reifen Weizen Garben gebunden mit Garbenseilen, groben dicken Schnüren mit einem grünen Holzknopf daran. Diese Garbenpuppen stellten wir gegeneinander auf und legten eine gebrochene Puppe darüber. Das schützte die Puppe vor dem Regen.»

«Nach der Weizenernte gingen wir Ährenlesen. Wir liefen barfuss über das abgeerntete Feld und lasen die liegengebliebenen Ähren auf. Das ergab einen rechten Haufen. Das Korn liessen wir in der Mühle mahlen. Viel Mehl erhielten wir nicht zurück. Ich war enttäuscht. So viele Ähren, so vielmal Bücken und nur ein Säckli Mehl?»

«Anstatt spielen hiess es, den Garten zu spritzen, damit die Setzlinge gediehen. Wir Kinder halfen mit kleinen Spritzkannen oder füllten die grosse nur zum Teil, sonst war sie zu schwer.»

«Manchmal goss ich mir im Gartenwegli das Wasser über die nackten Zehen und bewegte sie auf und ab. Dann kam ein herrlicher ‘Bäbätsch’ zwischen den Zehen hervor. Dieses Spiel liebte ich.»

«Zur Gartenarbeit gehörte das Haltbarmachen für den Winter. Wir Kinder halfen dabei. Wir rüsteten Klaräpfel für Apfelmus oder fädelten Bohnen ab. Damalige Sorten hatten zähe Fäden.»

«Wir sterilisierten Birnen, Pfirsiche, Zwetschgen, Kirschen, Aprikosen, einfach alle Früchte, die der Garten hergab. Wir füllten sie in Bülachergläser, die wir in heissem Wasser bereithielten, gossen heisses Zuckerwasser darüber, legten den orangen Gummiring auf den Rand, verschlossen die Gläser mit der Metallklammer und kochten die Gläser, ohne dass sie sich berührten, in einem grossen Topf mit Thermometer. Die Temperatur musste die ganze Zeit gleichbleiben.             Anschiessend stellten wir die Gläser auf eine dicke Zeitung oder ein Tuch, deckten sie zu und liessen sie erkalten.»

«Aus den meisten Früchten kochten wir auch Konfitüre.»

«Bohnen fädelten wir auf lange Schnüre und hängten sie im Estrich zum Dörren auf.»

«Mein Vater arbeitete beim Wasserkraftwerk in Hagneck. Dort durften die Arbeiter Früchte und Gemüse auf grossen Sieben im Turbinenraum hinstellen und trocknen lassen.»

BREMSEN

«Ganz lästig waren die Bremsen. Es gab sehr viele davon und wenn man vom Baden feuchte Haut hatte, hatten sie einen besonders gern.»

«Die Stiche juckten tagelang. Kratzte man die Haut auf, brannte es nachher. Es gab richtige Beulen auf der Haut.»

«Beim Baden blieb man am besten bis zum Kopf unter Wasser!»

«Wir ‘vertätschten’ die Bremsen, so oft wir konnten.»

 «Beim Heuen störten die Bremsen besonders. Für die Kuh, die unseren Heuwagen ziehen musste, hängten wir unter die Deichsel einen ‘Brämenkessel’. Darin waren Sägemehl und ein paar Gummistücke. Die zündete man an und sie motteten auf dem Sägemehl weiter. Das stank enorm und sollte die Bremsen vertreiben. Es half ein bisschen.»

«Neben den gewöhnlichen Bremsen gab es die ‘Rossbrämen’, die waren viel grösser und gingen auf Pferde und Kühe los.»

«Wir gingen mit dem Pferd heuen. Trotz dem ‘Brämenkessel’ wurde es von Bremsen geplagt und schlug immer mit dem Schwanz.»

«Später gab es Augen- und Ohrenschütze für die Pferde.»

«Die Bremsen plagten uns beim Heuen. Manchmal nahmen wir den ‘Brämenkessel’ von der Deichsel und schwenkten ihn überall herum. Wir trugen zwar ein langärmeliges Oberteil aber dazu einen Jupe. In die Beine konnten uns die Viecher leicht stechen. Ab und zu nahm ich ein Büschel Heu und wischte mich überall ab, damit meine Haut trocken wurde. Der Schweiss zog die Tiere an.»1

«Wurde man gestochen, so war es halt so und man arbeitete weiter. Auch bei einem Bienen- oder Wespenstich machte man kein Theater.»

«In Basel fuhr der Milchmann mit dem Pferdewagen durch die Stadt. Er hatte auch einen ‘Brämenkessel’ angehängt.» 

 

BADEN UND SCHWIMMEN

«Die Mutter stellte eine mit Wasser gefüllte galvanisierte Gelte (einen Zuber) in die pralle Sonne, so konnte sich das Wasser gut aufwärmen. Wir setzten uns hinein und genossen das Bad.»

«Am schönsten und lustigsten war es, wenn Papa mithalf. Wir drückten den Gartenschlauch vorne zu, damit es auf alle Seiten spritzte.»

«Wir hatten wenig Platz in unserem Hausgärteli aber für die Gelte mit zwei Kindern darin reichte der Platz. Es war einfach schön.»

«Zum Baden trug ich als Kind ein gestricktes Badekleid. Wenn es nass war, hing es herunter.»

«Die Badekleider aus Baumwolle waren nicht viel besser. Sie trockneten ewig nicht.»

«Als Erwachsene trug ich immer ein ganzes Badekleid und eine Badekappe mit Blumen darauf.»

«Als junge Mädchen gingen wir in die Sauge baden, heute ist das ein Naturschutzgebiet. Wir zogen Binsen aus dem Wasser, banden ein Bündel davon mit einer weiteren Binse zusammen und legten uns darauf. Mit diesen ‘Schwümmele’ liessen wir uns auf dem Wasser treiben.»

«Um uns Kindern das Schwimmen beizubringen, band man uns einen Korkgurt um. Das waren einzelne Korkplatten, die mit einem Stück Seil beweglich zusammengebunden waren. Der Kork hielt uns zwar über Wasser, aber Kopf und Brust fielen vornüber wenn man nicht aufpasste. Der Gurt war klobig und unbequem.»

«Wir gingen mit der Schule in die Badi im Pfäffikersee. Dort gab es am Rand des Sees zwei Badeabteile, die mit Holz ins Wasser gebaut waren. Das eine mit hohem Boden und wenig Wasser, das andere mit tief gelegtem Boden und tiefem Wasser. Dort übten wir das Schwimmen. Ringsum gab es noch eine Terrasse und die Kabinen mit Vorhängen. Von diesen Abteilen aus konnte man direkt in den See schwimmen.»

«Manchmal gingen wir nach der Schule ins Häftli zum Baden. Wir kamen aber nicht oft dazu, weil wir daheim helfen mussten.»

«Bei uns gab es einen Fluss, der Becken bildete. Dort gingen wir Kinder baden. Ein grösserer Bub hat mich dort schwimmen gelehrt. Ich liebte es auch zu springen. Wenn wir in eine Badi gingen, sprangen wir vom Sprungturm und machten ‘verruckte Sachen’.»

«Als ich vom Dreimeterbrett sprang, fiel ich auf den Bauch. Das tat so weh, ich meinte, mein Bauch sei offen.»

«Wir mussten mit der Schule vom Sprungbrett springen, auch wenn wir Angst hatten.»

«Ich habe in einer Badi im Rhein schwimmen gelernt.» «Mein Vater hat mir im Moossee das Schwimmen beigebracht. Der Eintritt ins Bad kostete für ein Kind 10 Rappen.»

«Als ich einmal am Schwimmen war, machte ein Motorboot grosse Wellen. Jemand warf mir zum Glück einen Ball zu, an dem ich mich halten konnte. Ich hatte Angst und die ist mir geblieben.»

«Ich ging einmal fast unter und hatte grosse Angst. Seither bin ich nicht mehr schwimmen gegangen.»

«Erst mein Mann hat mir richtig gezeigt, wie man schwimmt. Vorher ging ich einfach ein bisschen baden. Wir besuchten oft das schöne Schwimmbad von Meinisberg.»

«Manchmal mussten Schulkinder im Schwimmbad Grenchen einen Nachmittag lang ‘fötzelen’, weil sie eine Dummheit gemacht hatten. Das wurde später verboten. Das sei Kinderarbeit.»

SONNENSCHUTZ

«Beim Heuen banden wir uns eins von Vaters Nastüchern mit vier Knöpfen auf den Kopf.»

«Sonnencreme hatten wir keine, die wurde vermutlich noch nicht verkauft. Wir strichen Melkerfett auf die Haut.»

«Wir hatten Nivea.»

«Sonnenbrand gab es oft. Es schmerzte, wenn man nach dem Baden wieder die Kleider anzog oder beim Liegen im Bett.»

«Am Abend strich meine Mutter essigsaure Tonerde über die verbrannte Haut. Das tat gut.»

«Später löste sich die Haut ab und man konnte sie in Fetzen abziehen.»

«Sonnenbrillen für Kinder gab es nicht.» 

FERIEN

«In den Sommerferien wurde ich zur Gotte auf ihren grossen Bauernhof geschickt. Da gab es immer viel Arbeit. Sie hatte neun Kinder und auch noch Besuch. Die eine Tochter und ich mussten immer alle Betten machen. Und überall sonst viel helfen. Zum Beispiel stundenlang Kirschen erlesen. Aber das Znüni und Zvieri waren fein.»

«Ich durfte im Wechsel mit meinen Geschwistern zu einer Tante in die Ferien. Dort wurde ich verwöhnt. Daheim auf dem Bauernhof gab es halt viel zu tun. Deshalb durfte auch immer nur ein Kind fortgehen.»

«Wir verbrachten die Ferien jedes Jahr in einer Ferienwohnung in der Schweiz. So lernte ich das ganze Land kennen. Wir wanderten, spielten viel und sangen zusammen. Das war schön.»

«Wir konnten nie in die Ferien gehen, es gab zu viel zu tun auf dem Hof und das Geld hätten wir nie gehabt. Ich musste stattdessen zum Götti zum Helfen.»

WANDERN 

Die Ausrüstung

Der Rucksack damals war dunkelbeige oder oliv, aus festem Segeltuch, mit Lederrändern verstärkt, Lederboden und Lederriemen. Unter den Tragriemen lag ein Filz mit gewelltem Rand. Er machte das Tragen etwas angenehmer. Die Schuhe waren aus Leder, reichten bis über die Knöchel für festen Halt und waren hundertfach geputzt und gefettet, mit Juchtenglanz oder anderem Fett. Imprägniersprays gab es noch nicht.

«Wir hatten Rucksäcke aus dünnerem Stoff, die hingen herunter, wenn sie leer waren. Die festen waren teuer.»

«Meine Wanderschuhe hatten Nägel in den Sohlen. In den Bergen halfen sie gegen das Rutschen, an den Trottoirrändern sprühten sie manchmal Funken.»

«Wir wanderten mit einem Wanderstock. Die Kinder freuten sich, wenn sie an einem neuen Ort ein wappenförmiges Wanderplättli kaufen durften, welches sie als Erinnerung an den Stock nagelten.»

«In den Rucksack gehörte ein Regenschutz, eine Pelerine mit Kapuze, die bis über die Knie reichte.»

«Als Kind wanderte ich im Jüpli, die dicken Socken stülpte ich über die hohen Schuhe.»

«Ich trug Knickerbocker und dicke rote gerippte Kniesocken.»

«Auf den Kopf gehörte früher ein geknüpftes Nastuch.»

«Später trugen wir ein Kopftüechli oder einen Hut.»

Ziele

Gewandert wurde vor allem mit der Familie. So konnte man wandern, wie es einem gefiel und sich Zeit lassen, dort wo es am schönsten war.

«Wir machten einmal Wanderferien in einer Gruppe. Uns kam es vor, als ginge es darum, wer am schnellsten am Ziel war. Wir nahmen uns Zeit. Als wir am Abend den andern die wunderschönen kugelrunden Tannzapfen zeigten, die wir gefunden hatten, wollten sie wissen, wo wir die herhatten. Wir wanderten halt mit offenen Augen!»

«Der Vater bestimmte das Ziel, den Weg, den Fahrplan und die Abmarschzeit und kaufte wenn nötig die Billets. Die Mutter war verantwortlich für die Ausrüstung und die Verpflegung.»

Beliebte Ziele:

«Im Jura zum Beispiel der steile Creux du Vent.»

«Das Rosinli im Zürcher Oberland, das schon damals eine lange Kinderrutschbahn hatte, die mir ein bisschen Angst machte.»

«Die Cabane des Violettes, eine Wanderung hoch hinauf von Montana aus.»

«Der Plaines Mortes Gletscher.»

«Die tibetanische Hängebrücke im Tessin.»

Und immer wieder das Engadin, das Wallis, das Berner Oberland, das Tessin, das Toggenburg, das Emmental, das Zürcher Oberland, der Jura.

Das Picknick

 «Am Vorabend kochten wir Lindenblüten- oder Pfefferminztee mit Zitrone und gossen ihn am Morgen in die Trinkflasche aus Blech. Je nach Jahreszeit füllten wir eine Thermosflasche mit warmem Tee. Die Thermosflasche war innen aus Glas, man musste vorsichtig damit umgehen.»

«Zum Essen unterwegs gabs entweder ein Sandwich oder einfach Brot mit Käse, manchmal einen Landjäger oder einen Cervelat.»

«Tuttifrutti gehörte dazu und ein Apfel.»

«Gekochte Eier, sorgfältig in eine Serviette verpackt, hatten wir gern. Und ein kleines Döschen mit Salz.»

«Im Jura benutzten wir oft eine der Feuerstellen, die man überall findet und brieten einen Cervelat am Stecken.»

«Ein Cervelat vom Feuer und ein Ruchbrot – welch ein Genuss!»

Am Abend

«Am Abend waren wir todmüde und hatten Blasen an den Füssen. Manchmal mussten wir deswegen ein bisschen ‘grännen’, aber zufrieden waren wir trotzdem.»

«Die schöne Aussicht unterwegs war eine Belohnung für die Anstrengung und eine schöne Erinnerung.»

«Auf die Blasen klebten wir Pflaster. Die Schuhe waren nicht so gut wie die heutigen und mit den Wollsocken rieben sie die Haut auf.»

VON MEINISBERG INS TESSIN ZU FUSS

«Mein Mann und ich und unsere zwei jüngeren Kinder, der Älteste war schon in der Lehre, wanderten in ungefähr einer Woche von unserem Wohnort Meinisberg ins Tessin. Wir Eltern trugen je einen Tramper-Rucksack, die Kinder je einen kleineren. Wir hatten alles dabei: Zelt, Kochausrüstung, Kleider, Proviant.

Die erste Etappe führte uns nach Belp, dann weiter nach Thun und an den Brienzersee. Dort legten wir drei Tage Pause ein, um die Blasen zu pflegen.

Weiter gings nach Meiringen, durch die Aareschlucht, nach Innertkirchen und über den Susten. Leider gab es keinen Wanderweg und wir mussten der Passstrasse folgen. Auf dem Susten übernachteten wir in einem Ferienlagerhaus.

Nachher gings Schritt für Schritt nach Göschenen, durch die Schöllenenschlucht und über die Teufelsbrücke. Hier schickten wir Zelt und Kochausrüstung wieder nach Hause. Der Rucksack wurde leichter.

Zum Glück, denn jetzt wartete noch der Gotthard auf uns. Auch diesen überwanden wir und wanderten am gleichen Tag bis nach Airolo. Eigentlich hätten wir noch weiter gehen wollen über den Cristallinapass bis Locarno, aber das Wetter wurde schlecht. Deshalb fuhren wir per Zug heim. Diese Wanderung war eine wunderbare Erfahrung, unsere Kinder haben so gut mitgemacht und einander unterstützt, wenn eines müde wurde. Es war anstrengend aber wunderschön.»

BARFUSS

«Das war eine Freude, endlich wegzukommen von den schrecklichen gestrickten und kratzigen Strümpfen mit Gstälti, dann von den gestrickten Kniesocken und den kurzen Söckli und barfuss zu gehen!»

«Bis zur Sekundarschule ging ich im Alltag immer barfuss. Ich hatte zwar Schuhe, aber die mussten geschont werden. Das Besohlen war teuer. Auf heissem Teer ohne Schuhe zu gehen, hatte ich nicht gern, das brannte an den Füssen.»

«Zu Hause gingen wir barfuss. Für die Schule mussten wir Schuhe anziehen.»

«Bekam die Teerstrasse Löcher, leerte man ein wenig Teer hinein und füllte das Loch mit Kies. Der stach dann besonders spitz in die Füsse.»

«Auf den abgeernteten Feldern pieksten die Halme in die Fusssohlen. Wir schoben die Füsse beim Gehen nach vorn und ‘schlittelten’ über die Halme, dann spürten wir sie weniger oder wir gingen in der Fuhre des Traktors.»

«Unsere Füsse waren abgehärtet durch das viele Barfussgehen.»

«Am Abend wuschen wir die Füsse im Brunnentrog.»

RÖCKLI UND JUPES

«Ein schönes leichtes Sommerröckli gab ein gutes Gefühl. Die Stoffe waren meist bedruckt, mit Blumen oder Früchten.»

«Oft hatten sie Rüschen an den Ärmeln oder weite Kimonoärmel.»

«Mein Mueti liess bei einer Schneiderin für sich und für mich das gleiche Röckli nähen. Das war schön.»

«Es war ein besonderes Gefühl, in einem weiten Jupe mit einem engen breiten Gürtel in der Taille spazieren zu gehen. Der Jupe schwang bei jedem Schritt hin und her. Ich konnte ihn an den Seiten hochheben bis zur Taille, in der Mitte war er immer noch an den Knien – so weit war er. Dazu gehörten Sandalen mit einem kleinen Absatz. Später trug ich dann hohe Absätze und spitze Schuhe.»

«Unter diesen Jupes trugen wir einen gestärkten Unterrock. Wir gaben Stärkepulver ins Wasser, legten den Unterrock hinein, wrangen ihn nachher aus und liessen ihn trocknen oder fast trocknen. Beim Bügeln wurde der Stoff steif und es roch ganz besonders. Der weite Jupe darüber war aus dünnem Stoff und schwang dank dieses steifen Unterrocks ganz besonders schön.»

«Manchmal pfiffen Männer hinterher. Das störte mich nicht. Ich nahm es als Kompliment und fühlte mich gut.»

«Die meisten jungen Frauen damals waren schlank, darum passten auch diese Jupes so gut. Man ass viel weniger Süsses und Fettiges, Fertigmahlzeiten gab es nicht, Süssgetränke auch kaum, das Essen kam hauptsächlich aus dem Garten oder vom Markt.»

«Zum Glück hatten die Velos Velonetzli, sonst hätte man mit diesen weiten Jupes nicht gut fahren können.»

 

 

 

ESSEN UND TRINKEN IM SOMMER

«Wir assen, was der Garten hergab. Viel Salat, Gurken, Tomaten, Bohnen, fast immer Kartoffeln.»

«Es gab Birchermüesli, Kompott, Früchtekuchen.»     

«Kartoffelsalat, manchmal mit einem Cervelat.»

«Beeren assen wir oft.»

«Beim Grossmueti bekamen wir ein Schüsseli mit Hafernüssli, Beeren, Zucker und Milch. Mmmm!»

«Weil ich einen weiten Weg hatte in den Kindergarten, durfte ich dort bei den Schwestern zu Mittag essen. Zum Trinken schenkten sie mir Limonade ein. Prickelndes zitroniges und süsses Wasser. Das war neu für mich und ich liebte es.»

«Gabs eine Salatschwemme im Garten, assen wir warmen Salat. Der Salat kam in eine Schüssel, darüber leerte man eine heisse braune Sauce aus Speckwürfeli, Zwiebeln, Mehl, Maggiwürfel und Wasser. Dazu ass man Gschwellti. Das war fein!»

«Eine schöne Sommererinnerung sind die frischen Härdöpfel aus dem Garten.»

«Meine erste Glace bekam ich auf einer Schulreise. Sie war silbern eingepackt und hatte ein hölzernes Stängeli.»

«Ich erinnere mich an Eisrölleli. Das waren runde Eisstängel in weissem Papier (so wie Käsepapier), mit einem Holzstängeli zum Halten. Sie kosteten weniger als Glacen.»

«Daheim hatte man keine Glacen, es gab ja auch keine Tiefkühler. Und Glace war zu teuer und unnötig.»

«Später konnte man zum Beispiel vor der Epa in der Marktgasse Softice kaufen. Eine ganz cremige weiche Glace, die aus einem Automaten direkt in dein Cornet gefüllt wurde. Vanille oder Himbeer. Oder beides gemischt. Man musste sie schnell essen, weil sie sofort zu schmelzen begann.»

SPIELEN

«An den langen Sommerabenden in den Ferien spielten wir mit den Nachbarskindern Ballspiele, Verstecken um die Häuserblöcke oder Fangis. Das war schön.»

IN FELD UND GARTEN UND KÜCHE

«Im Sommer mussten wir Kartoffelkäfer von den Kartoffelstauden ablesen.»
«Wir zogen mit der Schulkasse los auf die Kartoffelfelder und lasen die Käfer ab.»

«Wir haben auf dem Feld aus dem reifen Weizen Garben gebunden mit Garbenseilen, groben dicken Schnüren mit einem grünen Holzknopf daran. Diese Garbenpuppen stellten wir gegeneinander auf und legten eine gebrochene Puppe darüber. Das schützte die Puppe vor dem Regen.»

«Nach der Weizenernte gingen wir Ährenlesen. Wir liefen barfuss über das abgeerntete Feld und lasen die liegengebliebenen Ähren auf. Das ergab einen rechten Haufen. Das Korn liessen wir in der Mühle mahlen. Viel Mehl erhielten wir nicht zurück. Ich war enttäuscht. So viele Ähren, so vielmal Bücken und nur ein Säckli Mehl?»

«Anstatt spielen hiess es, den Garten zu spritzen, damit die Setzlinge gediehen. Wir Kinder halfen mit kleinen Spritzkannen oder füllten die grosse nur zum Teil, sonst war sie zu schwer.»

«Manchmal goss ich mir im Gartenwegli das Wasser über die nackten Zehen und bewegte sie auf und ab. Dann kam ein herrlicher ‘Bäbätsch’ zwischen den Zehen hervor. Dieses Spiel liebte ich.»

«Zur Gartenarbeit gehörte das Haltbarmachen für den Winter. Wir Kinder halfen dabei. Wir rüsteten Klaräpfel für Apfelmus oder fädelten Bohnen ab. Damalige Sorten hatten zähe Fäden.»

«Wir sterilisierten Birnen, Pfirsiche, Zwetschgen, Kirschen, Aprikosen, einfach alle Früchte, die der Garten hergab. Wir füllten sie in Bülachergläser, die wir in heissem Wasser bereithielten, gossen heisses Zuckerwasser darüber, legten den orangen Gummiring auf den Rand, verschlossen die Gläser mit der Metallklammer und kochten die Gläser, ohne dass sie sich berührten, in einem grossen Topf mit Thermometer. Die Temperatur musste die ganze Zeit gleichbleiben.             Anschiessend stellten wir die Gläser auf eine dicke Zeitung oder ein Tuch, deckten sie zu und liessen sie erkalten.»

«Aus den meisten Früchten kochten wir auch Konfitüre.»

«Bohnen fädelten wir auf lange Schnüre und hängten sie im Estrich zum Dörren auf.»

«Mein Vater arbeitete beim Wasserkraftwerk in Hagneck. Dort durften die Arbeiter Früchte und Gemüse auf grossen Sieben im Turbinenraum hinstellen und trocknen lassen.»

BREMSEN

«Ganz lästig waren die Bremsen. Es gab sehr viele davon und wenn man vom Baden feuchte Haut hatte, hatten sie einen besonders gern.»

«Die Stiche juckten tagelang. Kratzte man die Haut auf, brannte es nachher. Es gab richtige Beulen auf der Haut.»

«Beim Baden blieb man am besten bis zum Kopf unter Wasser!»

«Wir ‘vertätschten’ die Bremsen, so oft wir konnten.»

 «Beim Heuen störten die Bremsen besonders. Für die Kuh, die unseren Heuwagen ziehen musste, hängten wir unter die Deichsel einen ‘Brämenkessel’. Darin waren Sägemehl und ein paar Gummistücke. Die zündete man an und sie motteten auf dem Sägemehl weiter. Das stank enorm und sollte die Bremsen vertreiben. Es half ein bisschen.»

«Neben den gewöhnlichen Bremsen gab es die ‘Rossbrämen’, die waren viel grösser und gingen auf Pferde und Kühe los.»

«Wir gingen mit dem Pferd heuen. Trotz dem ‘Brämenkessel’ wurde es von Bremsen geplagt und schlug immer mit dem Schwanz.»

«Später gab es Augen- und Ohrenschütze für die Pferde.»

«Die Bremsen plagten uns beim Heuen. Manchmal nahmen wir den ‘Brämenkessel’ von der Deichsel und schwenkten ihn überall herum. Wir trugen zwar ein langärmeliges Oberteil aber dazu einen Jupe. In die Beine konnten uns die Viecher leicht stechen. Ab und zu nahm ich ein Büschel Heu und wischte mich überall ab, damit meine Haut trocken wurde. Der Schweiss zog die Tiere an.»

«Wurde man gestochen, so war es halt so und man arbeitete weiter. Auch bei einem Bienen- oder Wespenstich machte man kein Theater.»

«In Basel fuhr der Milchmann mit dem Pferdewagen durch die Stadt. Er hatte auch einen ‘Brämenkessel’ angehängt.»

 

 

BADEN UND SCHWIMMEN

«Die Mutter stellte eine mit Wasser gefüllte galvanisierte Gelte (einen Zuber) in die pralle Sonne, so konnte sich das Wasser gut aufwärmen. Wir setzten uns hinein und genossen das Bad.»

«Am schönsten und lustigsten war es, wenn Papa mithalf. Wir drückten den Gartenschlauch vorne zu, damit es auf alle Seiten spritzte.»

«Wir hatten wenig Platz in unserem Hausgärteli aber für die Gelte mit zwei Kindern darin reichte der Platz. Es war einfach schön.»

«Zum Baden trug ich als Kind ein gestricktes Badekleid. Wenn es nass war, hing es herunter.»

«Die Badekleider aus Baumwolle waren nicht viel besser. Sie trockneten ewig nicht.»

«Als Erwachsene trug ich immer ein ganzes Badekleid und eine Badekappe mit Blumen darauf.»

«Als junge Mädchen gingen wir in die Sauge baden, heute ist das ein Naturschutzgebiet. Wir zogen Binsen aus dem Wasser, banden ein Bündel davon mit einer weiteren Binse zusammen und legten uns darauf. Mit diesen ‘Schwümmele’ liessen wir uns auf dem Wasser treiben.»

«Um uns Kindern das Schwimmen beizubringen, band man uns einen Korkgurt um. Das waren einzelne Korkplatten, die mit einem Stück Seil beweglich zusammengebunden waren. Der Kork hielt uns zwar über Wasser, aber Kopf und Brust fielen vornüber wenn man nicht aufpasste. Der Gurt war klobig und unbequem.»

«Wir gingen mit der Schule in die Badi im Pfäffikersee. Dort gab es am Rand des Sees zwei Badeabteile, die mit Holz ins Wasser gebaut waren. Das eine mit hohem Boden und wenig Wasser, das andere mit tief gelegtem Boden und tiefem Wasser. Dort übten wir das Schwimmen. Ringsum gab es noch eine Terrasse und die Kabinen mit Vorhängen. Von diesen Abteilen aus konnte man direkt in den See schwimmen.»

«Manchmal gingen wir nach der Schule ins Häftli zum Baden. Wir kamen aber nicht oft dazu, weil wir daheim helfen mussten.»

«Bei uns gab es einen Fluss, der Becken bildete. Dort gingen wir Kinder baden. Ein grösserer Bub hat mich dort schwimmen gelehrt. Ich liebte es auch zu springen. Wenn wir in eine Badi gingen, sprangen wir vom Sprungturm und machten ‘verruckte Sachen’.»

«Als ich vom Dreimeterbrett sprang, fiel ich auf den Bauch. Das tat so weh, ich meinte, mein Bauch sei offen.»

«Wir mussten mit der Schule vom Sprungbrett springen, auch wenn wir Angst hatten.»

«Ich habe in einer Badi im Rhein schwimmen gelernt.»


 «Mein Vater hat mir im Moossee das Schwimmen beigebracht. Der Eintritt ins Bad kostete für ein Kind 10 Rappen.»

«Als ich einmal am Schwimmen war, machte ein Motorboot grosse Wellen. Jemand warf mir zum Glück einen Ball zu, an dem ich mich halten konnte. Ich hatte Angst und die ist mir geblieben.»

«Ich ging einmal fast unter und hatte grosse Angst. Seither bin ich nicht mehr schwimmen gegangen.»

«Erst mein Mann hat mir richtig gezeigt, wie man schwimmt. Vorher ging ich einfach ein bisschen baden. Wir besuchten oft das schöne Schwimmbad von Meinisberg.»

«Manchmal mussten Schulkinder im Schwimmbad Grenchen einen Nachmittag lang ‘fötzelen’, weil sie eine Dummheit gemacht hatten. Das wurde später verboten. Das sei Kinderarbeit.»

SONNENSCHUTZ

«Beim Heuen banden wir uns eins von Vaters Nastüchern mit vier Knöpfen auf den Kopf.»

«Sonnencreme hatten wir keine, die wurde vermutlich noch nicht verkauft. Wir strichen Melkerfett auf die Haut.»

«Wir hatten Nivea.»

«Sonnenbrand gab es oft. Es schmerzte, wenn man nach dem Baden wieder die Kleider anzog oder beim Liegen im Bett.»

«Am Abend strich meine Mutter essigsaure Tonerde über die verbrannte Haut. Das tat gut.»

«Später löste sich die Haut ab und man konnte sie in Fetzen abziehen.»

«Sonnenbrillen für Kinder gab es nicht.»

 

FERIEN

«In den Sommerferien wurde ich zur Gotte auf ihren grossen Bauernhof geschickt. Da gab es immer viel Arbeit. Sie hatte neun Kinder und auch noch Besuch. Die eine Tochter und ich mussten immer alle Betten machen. Und überall sonst viel helfen. Zum Beispiel stundenlang Kirschen erlesen.                                              Aber das Znüni und Zvieri waren fein.»

«Ich durfte im Wechsel mit meinen Geschwistern zu einer Tante in die Ferien. Dort wurde ich verwöhnt. Daheim auf dem Bauernhof gab es halt viel zu tun. Deshalb durfte auch immer nur ein Kind fortgehen.»

«Wir verbrachten die Ferien jedes Jahr in einer Ferienwohnung in der Schweiz. So lernte ich das ganze Land kennen. Wir wanderten, spielten viel und sangen zusammen. Das war schön.»

«Wir konnten nie in die Ferien gehen, es gab zu viel zu tun auf dem Hof und das Geld hätten wir nie gehabt. Ich musste stattdessen zum Götti zum Helfen.»

WANDERN

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Ausrüstung

Der Rucksack damals war dunkelbeige oder oliv, aus festem Segeltuch, mit Lederrändern verstärkt, Lederboden und Lederriemen. Unter den Tragriemen lag ein Filz mit gewelltem Rand. Er machte das Tragen etwas angenehmer.

Die Schuhe waren aus Leder, reichten bis über die Knöchel für festen Halt und waren hundertfach geputzt und gefettet, mit Juchtenglanz oder anderem Fett. Imprägniersprays gab es noch nicht.

«Wir hatten Rucksäcke aus dünnerem Stoff, die hingen herunter, wenn sie leer waren. Die festen waren teuer.»

«Meine Wanderschuhe hatten Nägel in den Sohlen. In den Bergen halfen sie gegen das Rutschen, an den Trottoirrändern sprühten sie manchmal Funken.»

«Wir wanderten mit einem Wanderstock. Die Kinder freuten sich, wenn sie an einem neuen Ort ein wappenförmiges Wanderplättli kaufen durften, welches sie als Erinnerung an den Stock nagelten.»

«In den Rucksack gehörte ein Regenschutz, eine Pelerine mit Kapuze, die bis über die Knie reichte.»

«Als Kind wanderte ich im Jüpli, die dicken Socken stülpte ich über die hohen Schuhe.»

«Ich trug Knickerbocker und dicke rote gerippte Kniesocken.»

«Auf den Kopf gehörte früher ein geknüpftes Nastuch.»

«Später trugen wir ein Kopftüechli oder einen Hut.»

Ziele

Gewandert wurde vor allem mit der Familie. So konnte man wandern, wie es einem gefiel und sich Zeit lassen, dort wo es am schönsten war.

«Wir machten einmal Wanderferien in einer Gruppe. Uns kam es vor, als ginge es darum, wer am schnellsten am Ziel war. Wir nahmen uns Zeit. Als wir am Abend den andern die wunderschönen kugelrunden Tannzapfen zeigten, die wir gefunden hatten, wollten sie wissen, wo wir die herhatten. Wir wanderten halt mit offenen Augen!»

«Der Vater bestimmte das Ziel, den Weg, den Fahrplan und die Abmarschzeit und kaufte wenn nötig die Billets. Die Mutter war verantwortlich für die Ausrüstung und die Verpflegung.»

Beliebte Ziele:

«Im Jura zum Beispiel der steile Creux du Vent.»

«Das Rosinli im Zürcher Oberland, das schon damals eine lange Kinderrutschbahn hatte, die mir ein bisschen Angst machte.»

«Die Cabane des Violettes, eine Wanderung hoch hinauf von Montana aus.»

«Der Plaines Mortes Gletscher.»

«Die tibetanische Hängebrücke im Tessin.»

Und immer wieder das Engadin, das Wallis, das Berner Oberland, das Tessin, das Toggenburg, das Emmental, das Zürcher Oberland, der Jura.

Das Picknick

 «Am Vorabend kochten wir Lindenblüten- oder Pfefferminztee mit Zitrone und gossen ihn am Morgen in die Trinkflasche aus Blech. Je nach Jahreszeit füllten wir eine Thermosflasche mit warmem Tee. Die Thermosflasche war innen aus Glas, man musste vorsichtig damit umgehen.»

«Zum Essen unterwegs gabs entweder ein Sandwich oder einfach Brot mit Käse, manchmal einen Landjäger oder einen Cervelat.»


«Tuttifrutti gehörte dazu und ein Apfel.»

«Gekochte Eier, sorgfältig in eine Serviette verpackt, hatten wir gern. Und ein kleines Döschen mit Salz.»

«Im Jura benutzten wir oft eine der Feuerstellen, die man überall findet und brieten einen Cervelat am Stecken.»

«Ein Cervelat vom Feuer und ein Ruchbrot – welch ein Genuss!»

Am Abend

«Am Abend waren wir todmüde und hatten Blasen an den Füssen. Manchmal mussten wir deswegen ein bisschen ‘grännen’, aber zufrieden waren wir trotzdem.»

«Die schöne Aussicht unterwegs war eine Belohnung für die Anstrengung und eine schöne Erinnerung.»

«Auf die Blasen klebten wir Pflaster. Die Schuhe waren nicht so gut wie die heutigen und mit den Wollsocken rieben sie die Haut auf.»

VON MEINISBERG INS TESSIN ZU FUSS

«Mein Mann und ich und unsere zwei jüngeren Kinder, der Älteste war schon in der Lehre, wanderten in ungefähr einer Woche von unserem Wohnort Meinisberg ins Tessin. Wir Eltern trugen je einen Tramper-Rucksack, die Kinder je einen kleineren. Wir hatten alles dabei: Zelt, Kochausrüstung, Kleider, Proviant.

Die erste Etappe führte uns nach Belp, dann weiter nach Thun und an den Brienzersee. Dort legten wir drei Tage Pause ein, um die Blasen zu pflegen.

Weiter gings nach Meiringen, durch die Aareschlucht, nach Innertkirchen und über den Susten. Leider gab es keinen Wanderweg und wir mussten der Passstrasse folgen. Auf dem Susten übernachteten wir in einem Ferienlagerhaus.

Nachher gings Schritt für Schritt nach Göschenen, durch die Schöllenenschlucht und über die Teufelsbrücke. Hier schickten wir Zelt und Kochausrüstung wieder nach Hause. Der Rucksack wurde leichter.

Zum Glück, denn jetzt wartete noch der Gotthard auf uns. Auch diesen überwanden wir und wanderten am gleichen Tag bis nach Airolo. Eigentlich hätten wir noch weiter gehen wollen über den Cristallinapass bis Locarno, aber das Wetter wurde schlecht. Deshalb fuhren wir per Zug heim. Diese Wanderung war eine wunderbare Erfahrung, unsere Kinder haben so gut mitgemacht und einander unterstützt, wenn eines müde wurde. Es war anstrengend aber wunderschön.»